. Die Gartenwelt . Einjähriger Mohn. Ein richtiges Frühlingsbild veranschau- lichte hier ein größeres Ackerstück bis in den Oktober hinein. Das Land war mit Stoppelrüben breitwürfig besät, doch war der Samen infolge der Trockenheit sehr schlecht aufgegangen, so daß sich teils spärlicher Wuchs, teils ganz kahle Flächen dem Auge darboten. Vielleicht wäre bei dem Wetter Drillen angebrachter gewesen. Bald ging aber das „Unkraut" mit auf, Feuermohn und Kamillen, Hederich, Disteln u. dgl. schmückten das Feld großartig. So oft ich die Herrlichkeil sah, mußte ich an ein alles Gedicht aus der Schu

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. Die Gartenwelt . Einjähriger Mohn. Ein richtiges Frühlingsbild veranschau- lichte hier ein größeres Ackerstück bis in den Oktober hinein. Das Land war mit Stoppelrüben breitwürfig besät, doch war der Samen infolge der Trockenheit sehr schlecht aufgegangen, so daß sich teils spärlicher Wuchs, teils ganz kahle Flächen dem Auge darboten. Vielleicht wäre bei dem Wetter Drillen angebrachter gewesen. Bald ging aber das „Unkraut" mit auf, Feuermohn und Kamillen, Hederich, Disteln u. dgl. schmückten das Feld großartig. So oft ich die Herrlichkeil sah, mußte ich an ein alles Gedicht aus der Schu
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. Die Gartenwelt . Einjähriger Mohn. Ein richtiges Frühlingsbild veranschau- lichte hier ein größeres Ackerstück bis in den Oktober hinein. Das Land war mit Stoppelrüben breitwürfig besät, doch war der Samen infolge der Trockenheit sehr schlecht aufgegangen, so daß sich teils spärlicher Wuchs, teils ganz kahle Flächen dem Auge darboten. Vielleicht wäre bei dem Wetter Drillen angebrachter gewesen. Bald ging aber das „Unkraut" mit auf, Feuermohn und Kamillen, Hederich, Disteln u. dgl. schmückten das Feld großartig. So oft ich die Herrlichkeil sah, mußte ich an ein alles Gedicht aus der Schulzeit denken, das sich hauptsächlich infolge seines tiefsinnigen Widerspruchs mir einprägte: Ein Bauer steht vor seinem Feld Und zieht die Slirne kraus in Falten. Ich hab' den Acker wohlbestellt. Auf reine Aussaat streng gehalten. Nun sieh' mir eins das Unkraut an, Das hat der böse Feind getan. — Da kommt sein Knabe hochbeglückt. Mit Blumen reich beladen; Im Felde hat er sie gepflückt, Kornblumen sind es, Mohn und Raden. Er jauchzt, sieh Vater nur die Pracht, Die hat der liebe Gott gemacht. — Ja! dem im Kampf ums Dasein ergrauten Bauer tritt die Natur oft als Feind entgegen; wir Gärtner verstehen dies auch, wenn wir wohl auch im allgemeinen mehr für „wilde Schönheit" schwärmen, oder uns dafür „interessieren", weil wir's verwerten, zu Gelde machen können. Kindliche Gemüter dagegen, eingeschlossen alle harmlosen Naturschwärmer, freuen sich nur der augenblicklichen Schönheit und können dabei nur an einen allgütigen, lieben Geber denken, an Gott, oder die Natur, je nach ihrer Weltanschauung, wiewohl eins das andere niemals ausschließt. Doch ich erwähnte schon, daß wir Gärtner bei sdiönen Blumen meistens auch an den Verdienst denken, oder an sonstige prak- tische Verwendung derselben ; deshalb möchte ich darauf hinweisen, daß der „flüchtige" Mohn als Herbstblume viel haltbarer ist, wie als Frühlingsblume, ja manchmal